Artemisinin: der bekannteste Inhaltsstoff von Artemisia annua

Redaktion Artemisia Annua Kaufen · Stand: 18.10.2026 · Lesezeit ca. 4 Min.

Artemisinin hat Artemisia annua weltberühmt gemacht. Der Stoff ist Grundlage wichtiger Malaria-Medikamente und brachte seiner Entdeckerin 2015 den Nobelpreis. Hier liest du, was Artemisinin chemisch ist, wo es in der Pflanze steckt, wie viel davon im Tee landet – und wo die Forschung heute steht.

Was ist Artemisinin?

Artemisinin ist ein sekundärer Pflanzenstoff aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone. Chemisch auffällig ist eine sogenannte Endoperoxid-Brücke – zwei miteinander verbundene Sauerstoffatome im Molekül. Diese reaktive Struktur gilt als Schlüssel für die Wirkung gegen Malaria-Erreger: Sie reagiert mit Eisen, das die Parasiten beim Abbau von rotem Blutfarbstoff freisetzen.

Gebildet wird Artemisinin in den winzigen Drüsenhaaren (Trichomen) auf Blättern und Blütenständen von Artemisia annua. In anderen Beifuß-Arten wie dem Gewöhnlichen Beifuß kommt es praktisch nicht vor – mehr dazu im Vergleich Einjähriger vs. Gewöhnlicher Beifuß.

Von einem 1.600 Jahre alten Rezept zum Nobelpreis

Die Geschichte von Artemisinin beginnt in der traditionellen chinesischen Medizin. Unter dem Namen Qinghao wurde die Pflanze dort seit Jahrhunderten gegen Wechselfieber verwendet. Der Arzt und Alchemist Ge Hong (um 283–343) beschrieb in seinem „Handbuch der Rezepte für Notfälle“ eine bemerkenswerte Zubereitung: eine Handvoll Qinghao in zwei Liter Wasser einweichen, den Saft auspressen und trinken – also ohne Kochen.

Genau dieser Hinweis wurde Jahrhunderte später entscheidend. Im Rahmen des chinesischen Forschungsprogramms „Projekt 523“ untersuchte die Pharmakologin Tu Youyou ab 1969 traditionelle Heilpflanzen auf Wirkung gegen Malaria. Erste Extrakte aus Qinghao wirkten nur schwach. Tu Youyou vermutete, dass Hitze den Wirkstoff zerstört, und entwickelte ein schonendes Extraktionsverfahren bei niedriger Temperatur. 1971 zeigte der neue Extrakt im Tiermodell eine starke Wirkung, 1972 wurde der Reinstoff isoliert.

2015 erhielt Tu Youyou für diese Entdeckung den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin – als erste Chinesin in einer naturwissenschaftlichen Kategorie.

Artemisinin in der Medizin

Reines Artemisinin wird im Körper schnell abgebaut und ist schlecht löslich. Deshalb arbeitet die Medizin mit halbsynthetischen Abkömmlingen wie Artesunat, Artemether oder Dihydroartemisinin. Sie sind heute Bestandteil der von der WHO empfohlenen Artemisinin-basierten Kombinationstherapien (ACT) gegen Malaria, bei denen ein Artemisinin-Derivat mit einem zweiten Wirkstoff kombiniert wird.

In Deutschland sind solche Präparate verschreibungspflichtige Arzneimittel. Wer in ein Malariagebiet reist, sollte sich reisemedizinisch beraten lassen.

Wie viel Artemisinin steckt in der Pflanze?

Der Gehalt ist alles andere als konstant. In getrockneten Blättern liegt er laut Literatur meist zwischen 0 und etwa 1,5 %, neuere Züchtungen erreichen um 2 %. Entscheidend sind:

Einflussfaktor Was bekannt ist
Sorte / Genetik der wichtigste Faktor – Wildformen enthalten oft sehr wenig, Zuchtsorten deutlich mehr
Pflanzenteil Blätter und Blütenstände enthalten Artemisinin, Stängel kaum
Erntezeitpunkt Höchstwerte meist kurz vor bzw. zu Beginn der Blüte, danach fällt der Gehalt ab
Standort & Klima Sonne, Wärme und Wasserversorgung beeinflussen Wachstum und Gehalt
Trocknung & Lagerung schonende Trocknung im Schatten; gut gelagert bleibt der Gehalt lange stabil

Wie du selbst Pflanzen ziehst und zum richtigen Zeitpunkt erntest, beschreiben wir in der Anleitung Artemisia annua anbauen.

Artemisinin im Tee: Was landet in der Tasse?

Artemisinin gilt als schlecht wasserlöslich. Lange nahm man deshalb an, dass ein Tee kaum etwas davon enthält. Eine Untersuchung von van der Kooy und Verpoorte (2011) zeigte jedoch, dass die Ausbeute sehr stark von der Wassertemperatur abhängt: Mit kochendem Wasser und der passenden Zubereitung kann ein Großteil des Artemisinins aus dem Kraut in den Aufguss übergehen. Andere Inhaltsstoffe der Pflanze verbesserten die Löslichkeit dabei nicht, die Lösung blieb aber mindestens 24 Stunden stabil.

Für die Praxis heißt das: Die Zubereitung macht einen Unterschied. Wie Tee, Tinktur, Pulver und Kapseln sich unterscheiden, liest du im Ratgeber Artemisia annua einnehmen.

Woran wird heute geforscht?

Neben Malaria untersuchen Forschungsgruppen Artemisinin und seine Abkömmlinge in vielen weiteren Bereichen – etwa im Zusammenhang mit Krebszellen, Entzündungsprozessen, Viren oder anderen Parasiten. Die allermeisten dieser Arbeiten sind Labor- oder Tierversuche. Ergebnisse aus der Zellkultur lassen sich nicht einfach auf den Menschen übertragen, und für keine dieser Anwendungen ist Artemisinin als Arzneimittel zugelassen.

Wir ordnen einzelne Forschungsfelder in eigenen Beiträgen ein, zum Beispiel zu Malaria und Krebs. Dabei gilt immer: Studien beschreiben, was untersucht wird – sie sind kein Beleg für eine Wirkung im Alltag.

Sicherheit

Artemisinin-Derivate als Medikament haben bekannte Nebenwirkungen und Wechselwirkungen und gehören in ärztliche Hände. Auch bei Tee oder Tinktur aus Artemisia annua gilt: In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Allergien gegen Korbblütler und bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme vorher ärztlich beraten lassen. Details findest du unter Nebenwirkungen.

Häufige Fragen

Was ist Artemisinin?

Artemisinin ist ein Sesquiterpenlacton mit einer ungewöhnlichen Peroxid-Brücke im Molekül. Es wird in den Drüsenhaaren von Artemisia annua gebildet und ist Ausgangsstoff für halbsynthetische Malaria-Medikamente.

Wie viel Artemisinin steckt in Artemisia annua?

Der Gehalt in getrockneten Blättern schwankt stark – je nach Sorte, Standort und Erntezeitpunkt etwa zwischen 0 und 1,5 %, bei speziellen Züchtungen auch um 2 %. Am höchsten ist er meist kurz vor oder zu Beginn der Blüte.

Löst sich Artemisinin im Tee?

Artemisinin ist schlecht wasserlöslich. Untersuchungen zeigen aber, dass mit heißem, kochendem Wasser ein großer Teil aus dem Kraut in den Aufguss übergehen kann – die Ausbeute hängt stark von der Temperatur und der Zubereitung ab.

Ist Artemisinin als Medikament zugelassen?

In Deutschland sind Medikamente mit Artemisinin-Abkömmlingen (z. B. Artemether in Kombination mit Lumefantrin) zur Behandlung von Malaria zugelassen und verschreibungspflichtig. Pflanzliche Zubereitungen wie Tee sind keine Arzneimittel und ersetzen keine Malaria-Behandlung.

Wer hat Artemisinin entdeckt?

Die chinesische Pharmakologin Tu Youyou isolierte Artemisinin Anfang der 1970er-Jahre im Rahmen eines staatlichen Forschungsprogramms. Sie erhielt dafür 2015 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

Weiterlesen

Quellen

  1. Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2015 – Tu Youyou – https://www.nobelprize.org/prizes/medicine/2015/tu/facts/
  2. Indian Pediatrics (2011): Lasker Award for the Discovery of Artemisinin – mit Zitat aus Ge Hongs „Handbuch der Rezepte für Notfälle“ – https://www.indianpediatrics.net/nov2011/nov-914.htm
  3. van der Kooy F., Verpoorte R. (2011): The content of artemisinin in the Artemisia annua tea infusion. Planta Medica 77(15): 1754–1756 – https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/html/10.1055/s-0030-1271065
  4. WHO (2019): The use of non-pharmaceutical forms of Artemisia – https://www.who.int/news/item/10-10-2019-the-use-of-non-pharmaceutical-forms-of-artemisia
  5. Wikipedia (engl.): Artemisia annua – Artemisiningehalt und Anbau – https://en.wikipedia.org/wiki/Artemisia_annua

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche oder tierärztliche Beratung und gibt keine Heilversprechen. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Apotheke.

Artemisia annua bestellen

Aus eigener Ernte – von Hand geerntet und schonend luftgetrocknet. Bezahlung sicher über PayPal.

Alle Preise Endpreis, versandkostenfrei. Kundenlogin · Newsletter