Artemisia annua anbauen: von der Aussaat bis zur Ernte
Artemisia annua lässt sich auch in Deutschland gut im Garten, auf dem Balkon oder im großen Kübel ziehen. Die Samen sind winzig und brauchen etwas Geduld – danach wächst die Pflanze in einem einzigen Sommer zu einem bis zu zwei Meter hohen, duftenden Busch heran. Diese Anleitung führt dich Schritt für Schritt durch das Gartenjahr.
Das Wichtigste in Kürze
- Aussaat: Mitte März bis April drinnen, Samen nur auf die Erde streuen (Lichtkeimer).
- Keimung: bei 18–25 °C, nach etwa 1–2 Wochen.
- Auspflanzen: nach den Eisheiligen (Mitte Mai), sonnig, mit 60–100 cm Abstand.
- Pflege: anspruchslos, in Trockenphasen gießen, kaum Dünger nötig.
- Ernte: Blätter kurz vor bzw. zu Beginn der Blüte, meist August bis September.
- Trocknung: luftig im Schatten, nicht in praller Sonne.
Die Samen: winzig und lichthungrig
Die Samen von Artemisia annua gehören zu den kleinsten im Kräutergarten: Tausend Samen wiegen nur etwa 0,03 Gramm. Ein Gramm Saatgut enthält also mehrere zehntausend Körner. Für einen Hausgarten reicht schon eine winzige Prise.
Wichtig für den Erfolg: Artemisia annua ist ein Lichtkeimer. Werden die Samen mit Erde bedeckt, keimen sie schlecht oder gar nicht – das ist der häufigste Fehler bei der Anzucht.
Saatgut aus unserer Samen-Aktion und Hintergründe dazu findest du auf der Seite Artemisia annua Samen.
Schritt 1: Aussaat auf der Fensterbank
- Gefäß vorbereiten: Anzuchtschale oder kleine Töpfe mit nährstoffarmer Anzuchterde füllen, glatt streichen und gut anfeuchten.
- Samen ausstreuen: Die Samen mit etwas trockenem Sand mischen – so lassen sie sich gleichmäßiger verteilen. Dünn auf die Oberfläche streuen und nur leicht andrücken. Nicht mit Erde bedecken.
- Feucht halten: Mit einer Sprühflasche befeuchten, nicht gießen – ein Wasserstrahl spült die Samen weg. Eine Abdeckung (Haube, Folie) hält die Feuchtigkeit.
- Hell und warm stellen: Ideal sind 18–25 °C an einem hellen Platz ohne pralle Mittagssonne.
- Lüften: Sobald die ersten Keimlinge erscheinen (meist nach ein bis zwei Wochen), die Abdeckung täglich lüften und nach einigen Tagen ganz entfernen.
Schritt 2: Pikieren und Abhärten
Wenn die Sämlinge einige echte, fein gefiederte Blättchen gebildet haben, werden sie einzeln in kleine Töpfe umgesetzt (pikiert). Fass sie dabei vorsichtig an den Blättern, nicht am zarten Stängel.
Etwa zwei Wochen vor dem Auspflanzen beginnst du mit dem Abhärten: Die Töpfe tagsüber an einen geschützten Platz ins Freie stellen und die Zeit draußen langsam steigern. So gewöhnen sich die Pflanzen an Sonne und Wind.
Schritt 3: Auspflanzen nach den Eisheiligen
Artemisia annua verträgt keinen Frost. Ins Beet oder in den Kübel kommen die Jungpflanzen deshalb erst nach den Eisheiligen, also ab etwa Mitte Mai.
- Standort: sonnig und warm. Je mehr Sonne, desto kräftiger der Wuchs.
- Boden: locker, durchlässig, gern leicht sandig bis lehmig. Staunässe vermeiden.
- Abstand: 60–100 cm. Die Pflanzen werden breit und hoch – im Feldanbau rechnet man mit einem Meter Abstand in alle Richtungen.
- Kübel: möglich, dann mindestens 20–30 Liter Volumen und regelmäßig gießen.
Nach dem Einsetzen gut angießen und die Erde rund um die Wurzeln andrücken.
Schritt 4: Pflege im Sommer
Artemisia annua ist eine robuste, anspruchslose Pflanze. Ein paar Dinge helfen trotzdem:
- Gießen: In den ersten Wochen nach dem Auspflanzen gleichmäßig feucht halten. Später verträgt die Pflanze auch Trockenphasen, wächst bei guter Wasserversorgung aber üppiger.
- Düngen: Etwas reifer Kompost beim Pflanzen genügt in der Regel.
- Mulchen: Eine Mulchschicht hält Feuchtigkeit im Boden und unterdrückt Unkraut.
- Stützen: An windigen Standorten kann ein Stab helfen, wenn die Pflanzen über einen Meter hoch werden.
- Früher Blühbeginn: Trockenstress und Kälte können eine verfrühte Blüte auslösen – dann bleibt die Pflanze kleiner.
Schritt 5: Der richtige Erntezeitpunkt
Artemisia annua ist eine Kurztagspflanze: Sie beginnt erst zu blühen, wenn die Tage im Spätsommer kürzer werden. In Deutschland ist das meist ab August bis September der Fall.
Für Tee und Tinktur werden die Blätter kurz vor oder zu Beginn der Blüte geerntet, wenn sich die ersten Knospen zeigen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Gehalt an Inhaltsstoffen wie Artemisinin in der Regel am höchsten; mit fortschreitender Blüte sinkt er und die unteren Blätter fallen ab.
So gehst du vor:
- An einem trockenen Tag am späten Vormittag ernten, wenn der Tau abgetrocknet ist.
- Die ganzen Triebe oder die ganze Pflanze etwa 10–20 cm über dem Boden abschneiden.
- Zum Trocknen kopfüber aufhängen oder die Blätter direkt abstreifen.
Schritt 6: Trocknen und Lagern
Die Trocknung entscheidet über die Qualität. Grundregel: luftig, schattig, nicht zu heiß.
- Aufhängen: Kleine Bündel kopfüber an einem luftigen, schattigen Ort aufhängen (Dachboden, überdachter Balkon, Schuppen). Ein Tuch darunter fängt herabfallende Blätter auf.
- Ausbreiten: Alternativ die Blätter dünn auf Gittern oder Papier ausbreiten und regelmäßig wenden.
- Keine pralle Sonne und keine hohen Temperaturen – sie bleichen die Blätter aus und können empfindliche Inhaltsstoffe schädigen.
- Fertig sind die Blätter, wenn sie rascheln und sich leicht zwischen den Fingern zerreiben lassen. Je nach Wetter dauert das einige Tage bis zwei Wochen.
Danach die Blätter von den Stängeln streifen, grob zerkleinern und luftdicht, dunkel und trocken lagern – etwa in Schraubgläsern oder lichtdichten Dosen. Gut getrocknet und gelagert hält sich das Kraut lange.
Was du mit der Ernte machen kannst, erklären wir in den Beiträgen Tinktur selbst herstellen und Artemisia annua einnehmen.
Samen selbst gewinnen
Wer eigenes Saatgut möchte, lässt einige Pflanzen bis in den Herbst stehen und ausblühen. Die winzigen Samen reifen in den Blütenköpfchen; zum Ernten die trockenen Blütenstände über einem Papier ausschütteln. In kühlen, nassen Herbsten reifen die Samen nicht immer vollständig aus – frisches, gut gelagertes Saatgut keimt am zuverlässigsten.
Typische Probleme
| Problem | Mögliche Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Samen keimen nicht | mit Erde bedeckt, zu kalt, ausgetrocknet | nur aufstreuen, 18–25 °C, mit Sprühflasche feucht halten |
| Keimlinge fallen um | zu nass, zu wenig Luft (Umfallkrankheit) | weniger gießen, Abdeckung lüften |
| Lange, dünne Sämlinge | zu wenig Licht | hellerer Platz, ggf. Pflanzenlampe |
| Pflanze blüht früh und bleibt klein | Trockenstress, Kälte, zu kleiner Topf | gleichmäßig gießen, größeres Gefäß, wärmerer Standort |
| Wenig Blätter zur Ernte | zu spät geerntet | Ernte bei Knospenbildung |
Häufige Fragen
Wann sät man Artemisia annua aus?
Am besten ab Mitte März bis April im Haus auf der Fensterbank. Ins Freie kommen die Jungpflanzen erst nach den Eisheiligen Mitte Mai, wenn kein Frost mehr droht.
Muss man die Samen mit Erde bedecken?
Nein. Artemisia annua ist ein Lichtkeimer. Die sehr feinen Samen werden nur auf die feuchte Erde gestreut und leicht angedrückt, aber nicht mit Erde bedeckt.
Wie lange dauert die Keimung?
Bei etwa 18–25 °C und gleichmäßiger Feuchtigkeit zeigen sich die ersten Keimlinge meist nach rund ein bis zwei Wochen.
Wann erntet man Artemisia annua?
Für Tee und Tinktur werden die Blätter am besten kurz vor oder zu Beginn der Blüte geerntet – in Deutschland meist im August bis September. Dann ist der Gehalt an Inhaltsstoffen wie Artemisinin in der Regel am höchsten.
Kommt Artemisia annua im nächsten Jahr wieder?
Die Pflanze selbst stirbt nach der Saison ab, da sie einjährig ist. Reifen die Samen im Herbst aus, kann sie sich aber selbst aussäen. Sicherer ist es, im nächsten Frühjahr neu auszusäen.
Weiterlesen
Quellen
- Wikipedia (engl.): Artemisia annua – Anbau, Kurztagspflanze, Erntezeitpunkt, Tausendkorngewicht – https://en.wikipedia.org/wiki/Artemisia_annua
- Infonet-Biovision: Artemisia annua – Anbau, Anzucht, Ernte und Trocknung (Anbauleitfaden) – https://kolibri.teacherinabox.org.au/modules/en-infonet/export/print$ct$192$medicinalPlants.html
- Wikipedia: Einjähriger Beifuß – Beschreibung und Verbreitung – https://de.wikipedia.org/wiki/Einj%C3%A4hriger_Beifu%C3%9F
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche oder tierärztliche Beratung und gibt keine Heilversprechen. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Apotheke.


































