Artemisia annua für Pferde: Was Halter wissen sollten
Ich sitze auf Pferden, seit ich denken kann – und heute laufen unsere Pferde in Albanien genau über die Hänge, an denen auch unser Artemisia annua wächst. Kein Wunder, dass uns Pferdehalter oft fragen, ob der Einjährige Beifuß auch etwas für ihr Pferd ist. Hier steht, was man darüber weiß, was nicht, und worauf du achten solltest.

Unsere Geschichte: Pferde und Beifuß in Albanien
Ich bin mein ganzes Leben lang geritten. Heute leben unsere Pferde in Albanien, in einer Landschaft aus Olivenhainen, Macchia und steilen Kräuterhängen. Genau dort sammeln und trocknen wir auch unseren Einjährigen Beifuß (Artemisia annua).
Wer Pferde auf solchen Flächen hält, sieht schnell, wie wählerisch sie sind: Sie gehen gezielt an bestimmte Kräuter und lassen andere links liegen. Bitter schmeckende Pflanzen wie Beifuß werden meist nur angeknabbert. Genau diese Beobachtung ist der Grund, warum viele Pferdehalter sich für Kräuter im Futter interessieren – und warum wir hier sauber trennen wollen zwischen Erfahrung, Tradition und dem, was belegt ist.
Was Studien mit Pferden zeigen
Um es ehrlich zu sagen: Zu Artemisia annua beim Pferd gibt es keine Studien. Auch zur Verstoffwechslung von Artemisinin im Pferd liegen keine veröffentlichten Daten vor. Was es gibt, betrifft Esel oder andere Beifuß-Arten:
| Studie | Was wurde untersucht? | Ergebnis |
|---|---|---|
| Kumar et al. 2003 | Artemisinin-Abkömmlinge bei Eseln mit Piroplasmose (Theileria/Babesia equi) | Artesunat hemmte die Erreger nur während der Gabe; allein eingesetzt nicht ausreichend |
| Malsa et al. 2024 | Pflanzliche Futterzusätze, u. a. Gewöhnlicher Beifuß, gegen kleine Strongyliden bei Ponys | kein relevanter Effekt auf die Wurmeizahl |
| Peachey et al. 2015 | Wermut-Extrakt gegen Pferdewürmer im Labor | nur geringe Wirksamkeit |
Fazit: Es gibt keinen Beleg, dass Artemisia annua beim Pferd gegen Würmer, Piroplasmose oder andere Krankheiten wirkt. Wer etwas anderes liest, sollte nach der Quelle fragen.


Wie Pferdehalter Artemisia annua einsetzen
Wer Artemisia annua zufüttert, macht das in der Praxis meist so:
- Getrockneter Blattschnitt im Futter: eine kleine Menge unter Mash, Müsli oder eingeweichte Heucobs gemischt. Wegen des bitteren Geschmacks fressen viele Pferde es nur gemischt.
- Kurweise statt dauerhaft: über einen begrenzten Zeitraum, danach eine Pause.
- Langsam anfangen und beobachten, wie das Pferd es annimmt und verträgt.
Nicht geeignet sind alkoholische Tinkturen und ätherische Öle zum Eingeben. Konzentrierte Öle können reizen und enthalten je nach Beifuß-Art Thujon.
Unser Blattschnitt besteht ausschließlich aus getrockneten Blättern von Artemisia annua – von Hand geerntet und schonend im Schatten getrocknet, ohne Zusätze. Mehr zur Tierernährung findest du auf der Seite Tiernahrung.
Dosierung beim Pferd
Eine wissenschaftlich etablierte Dosierung gibt es nicht. Deshalb:
- Mit der Tierarztpraxis sprechen – besonders bei Vorerkrankungen, Medikamenten oder älteren Pferden.
- Klein anfangen und nur über begrenzte Zeit geben.
- Beobachten: Bei Kotveränderungen, Unruhe, Zittern oder Fressunlust sofort absetzen.
Sicherheit: Darauf solltest du achten
- Verwechslung mit Wermut: Wermut (Artemisia absinthium) enthält reichlich Thujon, das Nerven und Nieren schädigen kann. Artemisia-Arten werden insgesamt als schwach giftig bis giftig eingestuft. Wie du die Arten unterscheidest, steht im Artikel Einjähriger vs. Gewöhnlicher Beifuß.
- Tragende Stuten: Artemisinin-Wirkstoffe haben in Tierversuchen in der Frühträchtigkeit Embryonen geschädigt. Daten zu Stuten gibt es nicht – deshalb in der Trächtigkeit nicht geben.
- Medikamente: Artemisia kann Leberenzyme beeinflussen, die auch Medikamente abbauen. Bei Dauermedikation vorher die Tierarztpraxis fragen.
- Allergien: Pferde können auf Korbblütler empfindlich reagieren.
- Kein Ersatz für Behandlung: Kräuter ersetzen weder Wurmkur nach Kotprobe noch tierärztliche Behandlung.

Und Parasiten?
Beifuß gilt seit jeher als „Wurmkraut“ – die Studienlage gibt das bei Pferden aber nicht her. Für die Entwurmung sind Kotproben und eine gezielte Behandlung der sichere Weg. Ausführlich dazu im Artikel Artemisia annua bei Parasiten und Entwurmung.
Häufige Fragen
Dürfen Pferde Artemisia annua fressen?
Einzelne Beifuß-Pflanzen auf der Weide werden von Pferden meist gemieden oder nur in kleinen Mengen gefressen. Artemisia-Arten gelten als schwach giftig bis giftig – vor allem wegen Thujon, das im Wermut (Artemisia absinthium) reichlich vorkommt. Studien zur Fütterung von Artemisia annua an Pferde gibt es nicht. Wer es zufüttern möchte, sollte das mit der Tierarztpraxis absprechen.
Hilft Artemisia annua gegen Würmer beim Pferd?
Dafür gibt es keinen Nachweis. In einer Studie mit Ponys (2024) zeigte ein Beifuß-Futterzusatz (Artemisia vulgaris) keinen relevanten Effekt auf die Eizahl im Kot. Zur Entwurmung gehören Kotproben und eine gezielte, tierärztlich abgestimmte Behandlung.
Wie viel Artemisia annua gibt man einem Pferd?
Eine etablierte Dosierung gibt es nicht, weil es keine Studien dazu gibt. Halter beginnen meist mit kleinen Mengen getrocknetem Blattschnitt im Futter und geben es nur über begrenzte Zeit. Die Menge sollte mit der Tierarztpraxis abgestimmt werden.
Ist Artemisia annua bei Turnierpferden erlaubt?
Vorsicht: Die Anti-Doping-Regeln der FN verbieten Phytotherapeutika im Turniersport grundsätzlich, und die FEI warnt, dass Kräuterprodukte verbotene Substanzen enthalten können. Bei Turnierpferden vorher die aktuellen Listen prüfen und mit der Tierarztpraxis sprechen.
Darf eine tragende Stute Artemisia annua bekommen?
Nein, davon ist abzuraten. Artemisinin-Wirkstoffe haben in Tierversuchen in der Frühträchtigkeit Embryonen geschädigt. Daten zu Stuten gibt es nicht, deshalb gilt hier Vorsicht.
Weiterlesen
Quellen
- Kumar S. et al. (2003): In-vivo therapeutic efficacy trial with artemisinin derivative, buparvaquone and imidocarb dipropionate against Babesia equi infection in donkeys. J Vet Med Sci 65(11): 1171–1177 – https://www.jstage.jst.go.jp/article/jvms/65/11/65_11_1171/_article
- Malsa J. et al. (2024): Evaluation of plant commercial feed additives for equine cyathostomin control. J Equine Vet Sci – https://hal.inrae.fr/hal-04720133v1
- Peachey L. E. et al. (2015): An evidence-based approach to the evaluation of ethnoveterinary medicines against strongyle nematodes of equids. Vet Parasitol 210: 40–52 – https://vetsrev.nottingham.ac.uk/bibliography/peachey_evidence-based_2015.html
- CliniTox, Universität Zürich: Artemisia sp. (Toxikologie bei Tieren) – https://www.vetpharm.uzh.ch/GIFTDB/PFLANZEN/0155_tox.htm
- Li Q., Weina P. J. (2010): Severe embryotoxicity of artemisinin derivatives in experimental animals. Molecules 15(1): 40–57 – https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6256922/
- FEI: Equine Anti-Doping – Hinweise zu Nahrungsergänzungen und Kräuterprodukten – https://inside.fei.org/fei/your-role/grooms/toolkit/equine-anti-doping
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche oder tierärztliche Beratung und gibt keine Heilversprechen. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Apotheke.


































